Unsere Weihanchtsgeschichte 2021

ist die Geschichte von Resadiye. Es ist eine Geschichte von Mut und Willenskraft, die das Leben vieler Menschen berührt und verändert. Die Geschichte einer stillen Heldin mit einem ganz besonderen Happy End.

“Seit 4 Jahren arbeite ich hier. Ich bin selbstbewusster geworden, regelmäßiger Verdienst bedeutet mir sehr viel. Zusammen mit der Rente meines Mannes und dem Verdienst hier können wir unser Leben finanzieren. Kathrin ist wie ein Familienmitglied. Als meine Mutter starb, konnte ich einfach eine Nachricht an Kathrin schreiben und dann am nächsten Tag in die Türkei fahren. An welcher anderen Arbeitsstelle geht das? Hier ist viel Vertrauen.”

Resadiye

Die Anfänge

Alles begann in einem kleinen Dorf in der Türkei mit dieser Frau: Resadiyes Mutter. Der Vater stirbt früh, die Mutter zieht Resadiye und ihre vier Geschwister alleine groß. Den Lebensunterhalt der Familie sichert sie mit dem Verkauf von selbst gehäkelter Spitze, die traditionell zu Tischdecken verarbeitet wird oder als Borte Kopftücher ziert. Resadiye ist gerade mal sieben Jahre alt, als sie von ihrer Mutter in die Geheimnisse der filigranen Maschen und zarten Garne eingeweiht wird – weibliche Handwerkskunst weitergegeben über Generationen. Mit der achten Klasse schließtResadiye ihre Schulbildung ab, es gibt im Dorf keine weiterführende Schule . Also bleibt ihr nur
eine Perspektive.

Das neue Land

Mit 24 Jahren wird Resadiye mit einem in Deutschland lebenden Gastarbeiter verheiratet, der auf der Suche nach einer Frau aus seiner Heimat ist. Sie kennt ihm kaum, sagt aber ja. Und kommt mit ihrem Angetrauten bis heute glücklicherweise gut aus. Drei Söhne haben sie in der neuen Heimat bekommen, die mittlerweile hier studieren oder in guter Stellung arbeiten. Nur ihr Mann hat sich mit schwerer körperlicher Arbeit auf dem Bau seine Gesundheit ruiniert. Resadiye hat in der gesamten Zeit nie aufgehört zu häkeln. Als ihre Nachbarin Shaheste sie vor sechs Jahren mit Ann-Kathrin und von Meisterhand e.V. bekannt macht, ist sie von der Komplexität der Krägen und Colliers schwer beeindruckt, sie glaubt nicht wirklich, dass sie Ähnliches würde herstellen können. Doch Resadiye erweist sich schnell als Meisterin ihrer Kunst und gibt anderen Frauen Unterricht im Handarbeiten. Sie verdient so erstmals ihren eigenen Lebensunterhalt, was sie sehr stolz macht.

Der große Auftritt

Am 18. Juli 2020 sitzt Resadiye in Berlin Neukölln umringt von ihrer Familie auf dem Sofa und sieht ihr eigenes Gesicht auf dem Bildschirm. In ihren kühnsten Träumen hätte sie nicht geglaubt, dass sie mal im deutschen Fernsehen vor einer Kamera sprechen würde. Als türkische Frau ihrer Generation hat man gelernt bescheiden und zurückhaltend zu sein. Fast unsichtbar. Doch der RBB wollte einen Beitrag über die Kunst der Häklerinnen von Meisterhand produzieren und sie, Resadiye, sollte die Protagonistin sein. Ihr Auftritt fand begeisterten Anklang, in der Familie, in der Nachbarschaft, sie bekam sogar Anrufe aus der Türkei. Und die Redaktion des RBB gab dieRückmeldung: derart positives Feedback über einen Beitrag, der eine Frau mit Kopftuch aus der muslimischen Community zeigt, hätte es noch nie gegeben.

Es ist das Ziel von Meisterhand e.V., Frauen wie Resadiye eine Treppe zu
bauen, einen Ausweg aus der Unsichtbarkeit des eigenen Lebens.
Um Anderen ein Vorbild zu werden und dem Rest der Welt zu zeigen,
dass in jeder etwas steckt.

Bildung ist ein langfristiges Investment

Wir möchten 2022 sieben weitere Frauen zur Häklerin aus- oder weiterbilden und sie so befähigen auf eigenen Füßen zu stehen. Dazu wollen wir ab Mai erstmals eine Ausbilderin anstellen. Ihr Name ist Güler, ihr kennt sie vielleicht schon aus unserem letzten Weihnachtsbrief. Dieses Jahr sammeln wir zu Weihnachten Geld, um Güler einen Arbeitsplatz finanzieren zu können. Wir benötigen dafür 26.784€ pro Jahr. Das Spendenformular findet ihr hier. Falls ihr uns länger begleiten möchtet, gibt es auch die Möglichkeit Fördermitglied zu werden. Ihr findet einen Antrag hier.

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